Am Samstag, 27.06.2026 bin ich beim DGI Hærvejsløbet - L'Étape Denmark über die Langdistanz von Flensburg nach Viborg (300 km) gefahren. Schon bei der Anreise mit dem Zug gab es die ersten Bekanntschaften mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die alle nach Flensburg wollten. Dort angekommen ging es dann ersteinmal ins Hotel und anschließend zur Abholung der Startunterlagen.
Meine Startzeit war dann um 7:27 Uhr. Da alles aber etwas lockerer angegangen wurde, konnte ich schon um 7:12 auf die Strecke. Bei den zu erwartenden sehr hohen Temperaturen kam mir das sehr gelegen. Da ist jede Minute die man früher los kommt viel wert. Los ging es also und natürlich im BIKE AID Dress.
Mit etwa 10 Fahrerinnen und Fahrern haben wir uns dann einer großen Gruppe Norweger angeschlossen. Und es ging auch schon gleich flott los. Auf flacher Strecke hatten wir einen 36er Schnitt. Das hat schon mal richtig Bock gemacht. Allerdings waren die Norweger etwas komisch. Es wurde nicht zugelassen in der Gruppe mitzufahren, dies wurde mehrfach unterbunden. Also egal, dann sind wir eben hinten geblieben. Dann hatten sie die Eigenart, an kleinsten Anstiegen das Tempo drastisch rauszunehmen. Irgendwann war mir das dann zu dumm, zumal sie an der ersten Bergwertung fast stehen geblieben sind.
Da habe ich mir gedacht: Ich probiere es mal. Also linke Seite, ein paar kräftige Antritte, und vorbei war ich. Oben angekommen, waren die Norweger noch nicht zu sehen, und ich konnte fix weiterfahren. Zu der Zeit konnte ich die hohe Geschwindigkeit gut halten, auch wenn ich jetzt natürlich alleine war. Da es aber auf den nächsten Kilometern nur rauf und runter ging, mit zum Teil kurvenreicher Strecke, war ich auch ganz froh nicht in einer großen Gruppe zu sein. Dafür fehlt mir auch die Erfahrung.
Das erste Ziel meiner Strategie, die ersten 100km möglichst unter 3h:15m zu fahren habe ich dann auch erreicht. Es sind 3h:6m geworden. Die nächsten 100km wollte ich wegen der zu erwartenden hohen Temperaturen deutlich ruhiger angehen. Wichtig war mir nur vor 20:00 im Ziel zu sein.
Was aber nun abging war der absolute Hammer. Die Max Temperatur war 39,7 Grad und der Wind kam wie aus einem Heißluftföhn. Bei der Verpflegungsstation bei Kilometer 137 war ich dann so was von platt. Ich dachte kurzzeitig ans Aufgeben, aber dann habe ich ordentlich Flüssigkeit in Form von Wasser mit Eiswürfeln zu mir genommen. Die haben es irgendwie gebracht. Bin dann natürlich weiter, immer mit vollen Trinkflaschen.
Am Straßenrand waren immer mehr Fahrer zu sehen, die aufgegeben haben und wegen der Hitze einfach nicht weiter fahren konnten. Mehrfach sind Supportfahrzeuge an mir vorbei. So langsam ging es dann bei mir aber wieder besser und auch die Temperaturen ließen plötzlich deutlich nach. Die ersten Gewitter machten sich langsam bereit, allerdings alles sehr weit südlich und somit keine Gefahr. Nun kam aber leicht kühler Wind auf und die Sonne verschwand manchmal in den Wolken. Mit 32 Grad wurde es dann tatsächlich angenehm. Ärgerlicher Weise hatte ich 18 km vor dem Ziel noch einen Reifendefekt. Aber auch der war nach knapp 10 Min behoben und es ging weiter.
Es folgten noch eine Bergwertung, ein Schlusssprint und dann war ich kurz vor 19:40 Uhr im Ziel. Meine Ergebnisse der Berg- und Sprintwertungen habe ich in den Grafiken beigefügt.
Dann folgte ein echter Gänsehautmoment. Ein Begleitfahrrad hat uns (wir waren etwa 10) über einen roten Teppich durch die Fussgängerzone von Viborg bis zum Festivalgelände eskortiert. Und da war dann richtig was los. Ein absolutes mega Event.
Um 21:00 ging es dann mit dem Bus und einem LKW in dem die Räder verladen wurden zurück nach Flensburg.
Flüssigkeitsverbrauch ca. 10 Liter, Wasser und Energydrink an den Verpflegungsstellen (kein Toilettenbesuch)
Gegessen: Eigentlich nur das Frühstück. Eine halbe Banane, Apfel und Melonenstücke unterwegs. Essen ging auch irgendwie nicht. Trinken dafür um so mehr.
Traubenzucker insgesamt ca. 200gr
Blutzucker: Pumpe ab 6:00 für 15 Stunden in den Sportmodus und Zielwert auf 180 gesetzt. Der Wert ging erwartungsgemäß in der ersten Stunde bis auf knapp 500 hoch, dann wieder runter. Da ich permanent die Blutzucker-Werte am Rad hatte, konnte ich gut auf fallende Werte reagieren, so dass mir der Diabetes während des Rennens keine Probleme machte. Sport auf solch einem Niveau und Diabetes ist schon sehr kompliziert und bedarf einer überaus umfangreichen Vorbereitung. Es ist ohne die Technik mit Sensor, Pumpe und intelligenter Software nicht möglich. Ich hatte schon bei der Anreise im Zug mit einem Teilnehmer gespochen, der ebenfalls Diabetiker ist. Er musste nach 130 km aufgeben, da er seine Werte nicht mehr stabilisieren konnte. Wir trafen uns bei der Abreise im Bus wieder.
Rennergebnis: 500 am Start, 333 im Ziel
Platz gesamt: 153. Platz von 333
AK 60-69: 16. Platz von 45
Ziemlich cool ist mein 10er Platz bei der 2. Sprintwertung (wahrscheinlich nur weil alle Anderen kein Bock hatten oder platt waren?). Aber: In der Altersklasse ist mein 16ter Platz auch gleich die beste deutsche Platzierung.
Natürlich war ich auch sehr motiviert für BIKE AID gestartet zu sein. Im nächsten Jahr plane ich wieder an den Start zu gehen.
Sportliche Grüße aus dem Norden,
Mario
Einen ganz großen Dank lieber Mario für das Engagement!
Mehr Berichte von ihm aus unserem Archiv gibt's >> hier vom Race Around Germany << und >> hier von seiner Erstvorstellung <<.