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Tour of Qinghai Lake – Die 6 Kostbarkeiten des Daniel Bichlmann

Mittwoch, Aug 14, 2019 in Pro Cycling

Über unsere Begeisterung für dieses Rennen machen wir keinen Hehl, es ist die Tour de France Asiens, die einzige zweiwöchige Rundfahrt im UCI Kalender. Damit das längste Rennen nach den drei Grandtours Tour de France, Giro d´Italia und Vuelta Espagna.

Sechs mal in Folge hatte unser Team bereits das Privileg an diesem außergewöhnlichen Rennen teilzunehmen, über die besondereren Erlebnisse haben wir bereits viel geschrieben. Und sechs mal war Daniel Bichlmann dabei.

Daniel Bichlmann ist im echten Leben Kaminfeger, wohnt im tiefsten Bayern an der Grenze zu Österreich und hat seine sportliche Heimat dank BIKE AID 600km entfernt im Saarland gefunden. Er schwingt sich morgens um 6 in der Früh auf sein Rad um bei Dunkelheit und egal ob Regen oder Schnee zur Arbeit zu radeln, am Abend das gleiche wieder zurück. Dazwischen fährt er Profirennen, steht am Start mit dem amtierenden Weltmeister oder fährt Rundfahrten auf dem ganzen Globus. Diese außergewöhnliche Geschichte hat ihn schon ins legendäre Rouleur Magazin gebracht.

Für Daniel ist die Tour of Qinghai Lake seine Tour de France. Um bei diesem Rennen zu bestehen, welches so viele Extreme bietet, muss er alles in eine Waagschale werfen. Wochen zuvor beginnt er seine Askese, erlaubt sich keine Süßigkeiten mehr, trainiert streng nach Plan und muss dennoch täglich zur Arbeit.

Daniel war in seiner Jugend ein hoffnungsvoller Nachwuchsfahrer, zählte als Amateur zur nationalen Spitze, gewann immer wieder prestigeträchtige Rennen. Aber er merkte bald, dass es zum Weltklasse Profi nicht reichen würde. Dennoch ist seine Passion für den Radsport so groß, dass er nicht davon lassen kann.

Heute fährt er mit Spitzensportlern wie Nikodemus Holler, Lucas Carstensen, Justin Wolf, Adne van Engelen, Hafetab Weldu und dem amtierenden Afrika Meister Mekseb Debesay im Team bei der Tour of Qinghai Lake, muss diese unterstützen. Bevor es z.B. hinauf Richtung viertausend Metern auf den Bergen des Tibet Plateaus geht und die Topfahrer um Ergebnisse kämpfen, muss Daniel unzählige Trinkflaschen am Teamwagen holen und die Jungs versorgen. Geht es um einen Sprint, muss Daniel Tempoarbeit leisten bis zur totalen Erschöpfung und wurde schon oft belohnt, wenn z.B. ein Lucas Carstensen anschließend den Sieg einheimste.

Auch ohne Etappensieg kann unser Team zufrieden auf die diesjährige Teilnahme zurück blicken. Justin Wolf zeigte einmal mehr sein Potential im Zeitfahren, als er mit Platz 4 um zehn Sekunden das Podium auf der siebten Etappe verpasste. Lucas Carstensen belegte auf der finalen Etappe in Yinchuan Platz 5 im Massensprint. Auf der vierten Etappe nach Longyangxia prägte Mekseb Debesay das Rennen über den 3.745m hohen Pass, belegte Platz 4 und sorgte am Ende mit Platz 19 erneut für eine Top 20 Platzierung in der Gesamtwertung.

Wirft man einen Blick in die Mannschaftswertung, zeigt sich erneut die breite Aufstellung des Teams. Dieses Jahr nahmen ganze 6 europäische Pro Kontinental Mannschaften an der Qinghai Lake teil. Die 4 spanischen und italienischen Mannschaften, welche an Giro d´Italia und Vuelta Espagna teilnehmen, landeten abgeschlagen hinter der kleinen deutschen Mannschaft, welche den 7. Platz belegte.

Erneut hat die Tour of Qinghai Lake uns eindrucksvoll bewiesen, das Radsport mehr ist als Tour de France. Das hunderttausende Zuschauer begeistert in China den Radsport feiern, das Radsport einzigartige Bilder und Emotionen liefert und das es ein kleines Team aus dem Saarland gibt, welches den Globus erobert.

Sollte es Daniel Bichlmann noch zwei mal zur Tour of Qinghai Lake schaffen, hätte er 8 chinesiche Kostbarkeiten im Gepäck seiner Erinnerungen und wäre der Fahrer mit den meisten Teilnahmen überhaupt. Dabei hat er sicher schon jetzt viel zu erzählen, was er in den letzten Jahren bei Rennen auf allen Kontinenten erlebt hat. Er fuhr in Eritrea, Kamerun, Rwanda oder in Kolumbien, Kanada und Australien, um nur einige zu nennen. 2016 startete er mit BIKE AID bei den Weltmeisterschaften im Mannschaftszeitfahren in Doha. Er gehört nicht zu den sportlichen Aushängeschildern des Teams, hat aber an deren Erfolg durch seine selbstlose Teamarbeit einen großen Anteil.  

Einen großen Dank gilt Marleen Stoel, die uns in China begleitet hat und das Rennen in tollen Bildern festgehalten hat. Ebenso unserem chinesischen Masseur Wang, unserer niederländischen Betreuerin Astrid und unserem kenianischen Mechaniker Nixon, welche 2 Wochen Höchstarbeit für die Fahrer geleistet haben.

Vorbericht Radsport News