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Von Münster über Kasachstan nach Paris

Donnerstag, Okt 16, 2014 in Pro Cycling

Auch zum Saisonende ist BIKE AID international unterwegs.

Der Sparkassen Münsterland Giro war ein erfolgreicher Abschluss der deutschen Rennen. Das Rennen zählt zu den großen deutschen Klassikern und das BIKE AID Team konnte gemeinsam mit den Tour de France Stars wie André Greipel und John Degenkolb die 209km in Angriff nehmen. Bei besten Wetter konnte sich das Team vor fast 250.000 Zuschauern präsentieren und am Ende mit Platz 13. für Mekseb Debesay ein gutes Ergebnis erzielen. Christian Prudhomme, Chef der Tour de France, war persönlich in Münster zugegen um sich ein Bild von der gelungenen Veranstaltung zu machen. Münster hat sich für die Austragung einer Tour de France Etappe 2017 beworben und die Aussichten scheinen nicht schlecht.

Direkt nach dem Rennen ging es für die BIKE AID Fahrer ins Flugzeug um 7.000km später in Kasachstan auszusteigen. Das Team hatte kurzfristig eine Einladung zur Tour of Almaty bekommen. Ein wirklich krasser Kulturwechsel von Münster ans Ende von Europa an die Grenze zu China. Kasachstan, ein Land das wir nicht wirklich kennen und in 2 Tagen auch nicht wirklich verstehen lernen. Die Stadt Almaty war ein mal Hauptstadt des Landes. Aber man sagte, das Entwicklungspotential sei zu gering und die Region zu Erdbeben gefährdet. Kurzerhand schuf man Astana. Aber Almaty hat einiges zu bieten. Modernste Hochhäuser, historische Prachtbauten, Bollwerke des Ostblocks. Über depron ganzen Stadt thronen die schneebedeckten Gipfel des Tian-Schan-Gebirge.

Wir wissen irgendwie nicht so ganz wie uns geschieht. Kaum Schlaf, kaum erholt von Münster, dazu die Zeitverschiebung. Als wir halbwegs zu uns kommen stehen wir am Start Seite an Seite mit dem diesjährigen Tour de France Sieger Vincenzo Nibali. Über uns kreisen die Fernsehhelikopter, die ein Livebild in die ganze Welt transportieren. Es fühlt sich an, als soll Radsport die Nationalsportart von Kasachstan werden. Und die Welt soll nach Almaty kommen und Almaty sehen. Unser Team BIKE AID und das kasachische Protour Team Astana, das sind zwei Welten des Radsports in einem Rennen. Mit diesen Jungs wollen und müssen wir uns nicht vergleichen. 186Km lernen wir Kasachstan auf dem Rad kennen. So im letzten Drittel drehen die Jungs auf, gemeinsam mit den Teams Rusvelo und Katusha, da wird es für uns richtig schwer. In der Spitzengruppe kann sich keiner unserer Fahrer halten, Meron Amnauel erreicht auf Platz 31 das Ziel, der Rest weiter dahinter. Die Zeit drängt. Zurück ins Hotel, Räder zusammenbauen und einpacken und die ersten müssen gleich Nachts zum Flughafen. Einer von uns ist so erschöpft, das er beim Umsteigen am Flughafen in Kiev einfach einschläft und seinen Flieger verpasst. So viel Eindrücke in kurzer Zeit, da kann das passieren.

Aber weiter geht’s. Kurze Zeit später schon finden wir uns alle wieder südlich von Paris zusammen. Der Herbstklassiker Paris-Bourges steht an. 7 Pro Tour Mannschaften, darunter so prominente Namen wie Sylvain Chavanel, Thomas Voeckler, Heinrich Haussler und John Degenkolb. Und BIKE AID als einziges deutsches Team wieder mittendrin. Die Franzosen feiern ihre Tour Helden aber der deutsche John Degenkolb schnappt ihnen nach 190km erneut den Sieg weg. Dahinter rollt Mekseb Debesay im BIKE AID Triot auf Platz 35 ins Ziel.

Drei Rennen, drei Kulturen. In Deutschland sucht der Radsport wieder nach einer Identität, so richtig wissen die Medien noch nicht wie sie mit den Erfolgen der deutschen Fahrer umgehen sollen. Und dennoch kann man eines nicht weg diskutieren: Keine andere Sportart bringt so viele Zuschauer für einen Wettkampf zusammen wie der Radsport. Das Problem ist nicht mangelndes öffentliches Interesse. In Kasachstan sieht die Welt anders aus. Da wird mal eben ein Rennen organisiert mit Möglichkeiten, die sich hier keine Eventagentur zu träumen wagen würde. Aber nach unserem Weltbild läuft dort nicht alles richtig, aber wie damit umgehen? In Frankreich ist Radsport fester Bestandteil der Kultur. Die Franzosen leben den Radsport, was ihn letztlich auch zur normalsten Sache der Welt macht. Was sollen wir daraus schließen? Vielleicht fragen wir mal unsere afrikanischen Fahrer, wie sie das sehen?

TV Zusammenschnitt WDR Sparkassen Münsterland Giro

Weitere Bilder Tour of Almaty

Weitere Bilder Paris Bourges

Ergebnis Sparkassen Münsterland Giro UCI 1.1

Ergebnis Tour of Almaty UCI 1.1

Ergebnis Paris-Bourges UCI 1.1