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Vier Tage Radsport in Deutschland – Ein Rückblick

Freitag, Nov 8, 2019 in Pro Cycling

Langsam zieht die Kälte ein, die Erinnerung an warme Sommertage rückt in die Ferne. Zeit, sich noch einmal der schönen Bilder von der diesjährigen Deutschland Tour zu erfreuen und ein Resümee zu ziehen.

Eine Deutschland Tour, besetzt wie ein Top World Tour Rennen, offensiver gefahren wie die meisten Tour de France Etappen, und mit der Erwartungshaltung konfrontiert, für die Zukunft des deutschen Radsport verantwortlich zu sein.

4 Tage Radsport in Deutschland wie es sein sollte

Es fühlt sich gut an, mit einem deutschen UCI Team in Deutschland eine Rundfahrt zu bestreiten. Begleitet durch eine durchgehende Berichterstattung in den nationalen Printmedien und Liveübertragung in ARD und ZDF. Wenn die Begeisterung für den Radsport, welche unser Team in der ganzen Welt erlebt, auch einmal hier zu spüren ist; wir nicht nur davon berichten können, sondern die Freunde, Familien, Fans, unsere Sponsoren und viele mehr direkt vor Ort von der Begeisterung in den Bann gezogen werden.

 

 

Auch Deutschland ist schön

Wenn man die TV Bilder vom Helikopter sieht, wie das Fahrerfeld durch deutsche Kulturlandschaften rollt, pendelnd über die ehemalige innerdeutsche Grenze, vorbei an geschichtsträchtigen Plätzen wie der Wartburg in Eisenach, die mit Namen wie Luther oder Goethe in enger Verbindung steht, dann hat man es wörtlich vor Augen, was eine Landesrundfahrt bewegen und erzählen kann, wie sie die Schönheit eines Landes würdigt und gleichzeitig tollen Sport bietet.

Weltklasse Sport oder Bühne für nationale Teams?

Die Kontinental Teams verknüpfen hohe Erwartungen mit der Deutschland Tour. Teams gründen sich wegen ihr, Teams schließen wieder wegen ihr wenn sie nicht eingeladen werden. Endlich den Sponsoren wirkliche Medienpräsenz bieten, sich in Szene setzen in einem hochwertigen Starterfeld, Teil davon sein, wie der Radsport in Deutschland wieder in Fahrt kommt. Aber kann all dies gelingen mit einer einzigen viertätigen Rundfahrt?

Wenn sich die besten Teams der Welt im Sekundenpoker um die Gesamtwertung streiten, entsteht ein wirklich spannendes Rennen. Aber da muss man ehrlich sein: für Kontinentalteams ist es dann kaum möglich eine Rolle im Ergebnis mitzuspielen, was auch keinem der vier deutschen Teams gelang. Was die Deutschland Tour an Qualität internationaler Stars zu bieten hatte, lässt sich kaum steigern. Es spricht für sich, wenn ein Fahrer wie Richie Porte, der 30-fache Tour de France Etappensieger Marc Cavendish, der letztjährige Tour de France Sieger Geraint Thomas oder der aktuell Weltranglistenerste Julian Alaphilippe teils mit etlichen Minuten Rückstand, Seite an Seite mit unseren Fahrern, im Grupetto die Ziellinie überqueren und Weltklasse Sprinter wie ein Caleb Ewan aussteigen müssen, da sie dem Tempo nicht folgen können.

Gute Ausbeute für BIKE AID

Alle Kontinentalteams hoffen auf die wertvolle Fernsehpräsenz. Auf der ersten Etappe konnte BIKE AID Fahrer Nikodemus Holler gemeinsam mit Joschua Huppertz von Lotto Kernhaus lange in einer Ausreissergruppe bestehen, die Bilder gingen in die Wohnzimmer, die Fahrer und Teams waren im Gespräch. Die zweite Etappe war geprägt von der langen Soloflucht des Jahrhunderttalents Remco Evenepoel, die Konti Teams gingen leer aus.

Auf der dritten Etappe war es der junge Mika Heming vom Team Dauner, der am Hinterrad von Julian Alaphilippe durch die Landschaft rauschte, ehe sich Justin Wolf vom Team BIKE AID noch mal mit einer Soloflucht versuchte. Gleich tat es ihm erneut Jouscha Hupperz auf der Schlussetappe, einige Kilometer im Fokus der Kameras, mit dem Versuch, sich möglichst lange alleine vor dem Feld zu halten.

Afrikaner zeigen wie man feiert

Unser emotionales Highlight war die Zielankunft in Eisenach. Ein Bus mit rund 70 Exileritreer machte sich auf den Weg zur Deutschland Tour. Ein buntes Fahnentreiben, euphorisches Anfeuern ihres Nationalhelden; für uns das tollste Bild der Deutschland Tour 2019 und für viele Fotografen scheinbar auch. Dafür war  unser Mekseb Debesay, Eritrea, der Radsport in Afrika und somit auch BIKE AID überall im Gespräch und wir konnten einen Teil dessen, was wir in Afrika erleben, sogar bereichernd zur Deutschland Tour beisteuern

 

 

Entwicklungshilfe aus Frankreich, jetzt liegt es an uns

Was man nicht vergessen sollte: Die Deutschland Tour gibt es nur deshalb, da die Franzosen in Form der ASO, sprich dem Veranstalter der Tour de France, bei uns Entwicklungshilfe leisten.  

Die Deutschland Tour ist eine Bereicherung im nationalen Sportkalender und darüber hinaus. Sie war ein Ereignis, welches national alle Medien aufgriffen und großartige Bilder in die ganze Welt transportierten. Sie hat auch hierzulande wieder gezeigt, wie Radsport eine Sportart ist die verbindet und Grenzen überwindet und nicht, wie manch andere Sportart, auf Abgrenzung aufbaut. Gerade würdigen wir 30 Jahre Mauerfall, die Deutschland Tour verlief frei zwischen den ehemaligen Grenzen. Gibt es eine andere Sportart, welche in dieser Art und Weise die Wiedervereinigung zelebriert?  

Was für alle deutschen Teams als Highlight gilt sollte Normalität sein, muss eigentlich die Basis sein, auf der sich ein lebendiger nationaler Radsport aufbauen kann. Der erste Schritt ist getan, jetzt müssen weitere folgen.  

Es braucht weitere Rennen, vor allem Rundfahrten, es braucht den Mut der Medien, die Ereignisse auch aufzugreifen und natürlich muss gewährleistet sein, dass die Deutschen Teams sich dort präsentieren dürfen.  

Dass es sich lohnt, zeigt die Deutschland Tour!

Sportschau Instagramm Story über Mekseb Debesay

Bericht Saarbrücker Zeitung

Bericht Radsport News

Bericht Traunsteiner Tagblatt