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Holler und Carstensen mit Doppelsieg in Indonesien – Eine Reise ins Unbekannte

Sonntag, Nov 11, 2018 in Pro Cycling

Die Tour de Singkarak, 1.267km um den gleichnamigen See in der indonesischen Provinz West Sumatra. Die letzte Herausforderung in der erfolgreichen Saison 2018. Tropische Hitze, die Überquerung des Äquators während dem Rennen, eine Bergankunft über dem Maninjau Vulkankratersee und unglaubliche Eindrücke aus einem einzigartigen Land.

Muslimiches Land mit Frauen an der Macht

Ein Muslimisches Land, bunt und mit einem Matriarchat, in dem Frauen den Ton angeben. Dazu eine atemberaubende Natur und die alten Bauten der Minangkabau Kultur. Man möchte eintauchen in dieses Fremde, zauberhafte Geschehen. Die Rennfahrer können dies alles nur in Bruchstücken aufnehmen. Vor allem wenn sie erschöpft vom Rennen die langen Bustransfers in Angriff nehmen müssen, können sie ihren Blick durch die Fenster über die Landschaft schweifen lassen, während der Magen knurrt. Ein paar authentische Eindrücke davon kann man im Radsport News Tagebuch des deutschen Robert Müller nachlesen. Auch seine Meinung zu Niko´s „hässlichen Aero-Kniestrümpfe“, an denen auch ein etwas übereifriger Kommissär anstoßen nehmen wollte, aber aus anderen Gründen.  

Tausende Höhenmeter und doch nur wenige Sekunden

Acht Tage wurde um die Gesamtwertung der Tour de Singkarak gekämpft; trotz tausender Höhenmeter lagen am Ende nur wenige Sekunden zwischen den drei Erstplatzierten. Nikodemus Holler lag vor der letzten Etappe auf Platz 3 mit 20 Sekunden Rückstand auf den Ersten. Die Schlussetappe sollte wie erwarten in einem Massensprint enden. Einzige Möglichkeit noch etwas an der Gesamtwertung zu verändern: Die Zeitbonifikation für die Podiumsplätze. Eigentlich den Sprintern vorbehalten.  

Also noch mal ein Blick zur ersten Etappe

Lucas Carstensen spannt die ganze Mannschaft ein, 140km kontrollieren sie das Rennen mit einem einzigen Ziel: Ein Sprint für Lucas. Alles läuft perfekt, doch die Schilder stehen falsch. Bei der 150m Marke setzt Lucas an, sieht wie der Sieger aus, doch dann endet das Rennen einfach 250m zu spät, kein Zielstrich an der zu erwartenden Ziellinie. Die Blicke von Lucas auf dem Zielfoto sagen alles. Danach muss sich der Sprinter 6 Etappen über viele Berge quälen, angetrieben von einer Hoffnung: Auf der Schlussetappe ist ein Sprint möglich.  

Mr. Adne van Engelen

Dazwischen verpasst Adne van Engelen um wenige Zentimeter seinen ersten UCI Sieg bei der Bergankunft über dem Maninjau Vulkankratersee auf der 4. Etappe. Nach einer kurzen Enttäuschung setzt Zufriedenheit ein über ein weiteres Top Ergebnis. Mit dem Sieg der Bergankunft bei der Tour of Poyang Lake und Platz 7 bei der Bergankunft der Tour of Hainan hat sich Adne sein Spezialgebiet erarbeitet. Dazu der Sieg bei der Studentenweltmeisterschaft. Mit der Saison 2018 hat sich Adne van Eneglen auch zu den Leistungsträgern im Team entwickelt.  

Mr. Clint Hendricks

Auf der sechsten Etappen schlägt die Stunde für Clint Hendricks. Er galt als eines der größten Talente im Südafrikanischen Radsport, gewann 2016 die Cape Town Cycle Tour, mit bis zu 40.000 Teilnehmern die größte Radsportveranstaltung der Welt. Doch auch als er 2018 dritter der Commonwealth Games wird, bekommt er keinen Profivertrag. Nach unendlichen Emails mit dem sympathische Fahrer aus Johannesburg ist uns klar, er muss eine Chance bekommen, bestreitet die letzten 3 Rundfahrten der Saison mit BIKE AID. Vom ersten Rennen an bringt er sich zu 100% in die Mannschaft ein, bereitet für Lucas die Sprints vor und verzichtet auf eigene Ergebnisse. Zwischen Kota Solok und Payakumbuh macht er sich mit einer Spitzengruppe auf und davon und fährt den ersten UCI Sieg seiner Karriere ein. Fazit: Chance verdient.  

Zurück zu Lucas  

Die Schlussetappe verläuft nach Plan, es kommt zum Sprint. Aber der Sprinter verzichtet auf den erhofften Sieg, gibt Nikodemus den Vortritt im Tagesklassement. Das spricht für den Teamspirit. Der Gesamtwertungsfahrer hat bereits mit seinen Sprinterqualitäten in Ungarn überzeugt, nun holt er sich mit dem Etappensieg weitere Bonussekunden, wird zweiter der Tour de Singkarak, gerade mal 10 Sekunden hinter dem Sieger Ewart Jesse aus Australien. Ebenso belegt BIKE AID den zweiten Platz in der Mannschaftswertung.

Ja, die Sachen mit den Superlativen ist uns bekannt. Aber wie sollen wir angesichts solcher Ergebnisse unserer Fahrer die Ruhe bewahren? Das letzte Rennen der Saison endet wie das erste. Am 15. Januar eröffnete Lucas Carstensen mit dem ersten deutschen Profisieg in Gabon die Saison 2018, am 11. November beschließt sie Nikodemus Holler ebenso in Indonesien. Wir freuen uns auf 2019.

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