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Der Tag der Wahrheit - wie 15 Sekunden schmerzen können

Freitag, Feb 12, 2016 in Pro Cycling

Wie schmerzhaft 15 Sekunden sein können, mussten einige unserer Fahrer am eigenen Leib erfahren, als sie gestern Ihre derzeitige Leistungsentwicklung getestet haben.  

Im STAPS – Institut in Köln waren vor allem unsere Fahrer aus Afrika  besonders neugierig, was denn so alles passieren würde. Es wird viel darüber diskutiert. Egal ob Hobbysportler, Jedermann, Amateur oder Profisportler. Viele denken über eine sogenannte Leistungsdiagnostik nach, um ihre „Werte“ zu bestimmen. Für Profisportler ist dies jedoch unabdingbar, ist es doch eine notwendige Grundlage, um das Training gezielt an seinen Stärken / Schwächen auszurichten und gezielt zu gestalten.

Dabei ist es für die meisten Coaches wichtig, eine möglichst genaue Aussage über die Leistungszusammensetzung, also eine Antwort auf die Frage, warum ist die aktuelle Leistung so, wie sie ist, zu bekommen. Eines der führenden Instituten ist STAPS in Köln, das ein innovatives und revolutionäres Testverfahren entwickelt hat und durch die Zusammenarbeit mit den besten Teams der Welt und auch Sportlern wie Tony Martin einen großen Erfahrungsschatz sammeln konnte.

Ganz besonders interessant war dieser Tag für unsere Fahrer aus Eritrea, die zum ersten Mal in ihrem Leben ein Abbild Ihrer eigenen Leistungsfähigkeit bekommen haben. In zwei Tests mussten Sie sich bis zur maximalen Erschöpfung verausgaben und es wurde beiden klar, wie endlos lang 15 Sekunden sein können, wenn man eben das maximal Mögliche aus seinem Körper rausholt. Ebenso verwundert waren sie über die Häufigkeit, mit der ihnen in kleinen Mengen Blut entnommen wurde. „Keine Angst, ich bin nicht Dracula! Das dient nur zur Bestimmung Eurer Laktatbildung und Eurem Laktatabbau“, beruhigte Gregor von STAPS die beiden.

Laktatbildung und Laktatabbau. Zwei entscheidende Parameter, wenn es um den anaeroben Stoffwechsel geht – also den Teil des Stoffwechsels im Körper, der Energie aus Kohlenhydraten ohne Zuhilfenahme von Sauerstoff gewinnt. „Aus diesen Werten können wir die anaerobe Schwelle sehr genau bestimmen“, führt Gregor in einer später ca. 2 Stunden andauernden und sehr ausführlichen Erklärung aus. „anaerobe was?“ – für Meron und Amanuel sind diese Begrifflichkeiten noch böhmische Dörfer, aber schnell verstehen sie das Grundprinzip:

Die anaerobe Schwelle ist praktisch der Schnittpunkt der beiden Kurven von Laktatauf- und abbau, oder der sogenannte „steady-state“. In diesem Punkt produziert der Körper exakt genau so viel Laktat, wie er in der Lage ist unter Zuhilfenahme von Sauerstoff abzubauen. Es findet also keine Anhäufung statt, sondern der Sportler kann ca. eineinhalb Stunden (mentale Stärke und gefüllte Kohlenhydratspeicher vorausgesetzt) an diesem Punkt, ohne weitere Energiezufuhr fahren. Also für viele ein erstrebenswertes Ziel, diesen Wert zu steigern.

Doch es geht direkt weiter zum nächsten Test. Maximale Sauerstoffaufnahme. Ok, darunter kann sich erstmal jeder etwas vorstellen und der Begriff sagt schon vieles aus. Aber was auch Meron und Amanuel schnell verstehen mussten ist, dass es hier nicht um das Lungenvolumen geht sondern darum, wie viel Sauerstoff der Körper eben aus der Lunge durch die roten Blutkörperchen in das Blut aufnehmen kann. Kurz gesagt: wie gut werden die Muskeln mit Sauerstoff versorgt und wie gut können die Muskeln den Sauerstoff weiterverarbeiten. 

Auch hier geht es wieder um die maximale Belastung. Anfangs sieht alles noch ganz „easy“ aus und jeder macht noch seine Späße.  Doch am Ende ist keinem mehr zum Spaßen zumute, sondern es geht nur noch darum die Kurbel irgend möglich weiterzudrehen.

 „Wir haben es geschafft“, kommt ein Lachen über die Lippen von Meron, der als letzter der drei Jungs ran musste. Die beiden Jungs aus Eritrea sind nach der ausführlichen Erklärung froh, dass sie diese Erfahrung nun machen konnten und nun gezielt mit ihnen gearbeitet werden kann, um ihr Talent auszubauen und zu fördern. Auch auf der Rückfahrt stellten beide unaufhörlich Fragen und zeigten enormes Interesse an dem neu gewonnenen Wissen.

Es zeigte sich aber wieder ganz deutlich, wie wichtig eine solche Diagnostik ist, um eben zu erkennen welche Veranlagungen hat ein Sportler individuell durch seinen Körper vorgegeben und wie kann man diese Ausbauen. Denn ohne diese Gewissheit kann man zwar trainieren, aber eben auch schnell am Ziel vorbei schießen.

Danke auch an die Jungs vom STAPS – Institut für den tollen Testtag und die geniale Erklärung, für die sie sich sehr viel Zeit genommen haben!

 

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