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Blut, Schweiß und Tränen für 10 Punkte

Freitag, Apr 18, 2014 in Pro Cycling

Dan Craven beendet die zehntägige Tour du Maroc auf dem 5. Gesamtrang.
Es gibt viele Phrasen, die seit 100 Jahren versuchen das nachfühlbar zu machen was Radsport ist. Viele davon können wir nicht mehr hören, zu oft sind sie wiederholt. Aber zu Einzigartig ist das, was Radsport ausmacht, was es ausmacht in einer Rundfahrt ein ganzes Land in eine Wettkampfstätte zu verwandeln, alles was das Land schön macht, aber auch was das Land an Härte der Natur zu bieten hat, mit eigenen Kräften zu erfahren. Auf wenigen Millimeter breiten Reifen, auf Tuchfühlung mit der Konkurrenz Abfahrten herunter zu stürzen oder sich durch Zuschauermassen mit letzten Kräften zur Bergwertung zu kämpfen. Über 1.500km, vom Norden entlang der Atlantikküste mit starken Winden Richtung Sahara geweht, dann ins Landesinnere an der Südseite des Atlasgebirges bei sengender Hitze die Anstiege hinauf kämpfen. Eine karge Steinlandschaft auf den Hochebenen, auf denen der Wind ungemütlich pfiff, um anschließend in die grünen Niederungen zurück zu kehren und nach 10 Etappen ein wahnsinniges Finale im brodelten Casablanca zu erleben. Das war ein grandioses Erlebnis für unsere Fahrer Michael Hümbert, Yannick Mayer, Daniel Bichlmann, Timo Schäfer, Ryan Wills und Dan Craven.
 
Aber was sie dafür geben musst, lässt sich nur schlecht in Worte fassen. Die Marokko Rundfahrt war dieses Jahr sportlich sehr stark besetzt, unser Team würde hier normalerweise eine Nebenrolle spielen. Aber wir haben mit Dan Craven den führenden der UCI Afrika Tour im Team und damit ist alles eben nicht normal. Man wächst mit seinen Aufgaben; auch so eine Phrase. Von der ersten Etappe an schafften wir es, dass dieses BIKE AID Logo aus dem Saarland sportlich eine Rolle spielte. Ryan Wills verpasste auf der ersten Etappe knapp den Etappensieg, bekam aber vorerst das Führungstrikot in der Zwischensprint Wertung. Yannick Mayer wurde dafür noch Etappensechster. Dies wäre eine absolut zufriedenstellende Ausbeute, mit der wir getrost den Rest der Rundfahrt ohne weitere nennenswerte Vorkommnisse hätten beenden können.
 
Aber es sollte erst los gehen. Auf der dritten Etappe gelang es Dan Craven sich auf den zweiten Platz der Gesamtwertung vorzuschieben. Damit schien es greifbar UCI Punkte für Dan Craven in der Afrika Tour zu erreichen. Doch noch rund 1.000km mussten dafür zurück gelegt werden. Es hieß jeden Tag alles geben, die Rennen waren offensiv und gefährlich, jeden Tag war Krieg von Kilometer 1 bis Ziel, was aber erst bis zu 180km später kam. Gleich auf der vierten Etappe kassierte Dan Craven rund 10min Rückstand und alles schien vorbei. Aber das Team war bereit alles zu tun für das gemeinsame Ziel. Immer wieder lagen unserer Fahrer in Stürze verwickelt auf der Straße, sahen aus als würden sie höchstens noch den Weg ins Krankenhaus gehen, aber es ging weiter. Auch Dan Craven kostet das Rennen zu viel Kraft, nicht immer konnte er an den Bergwertungen dabei bleiben. Aber unsere Jungs waren unglaublich. Sie warteten auf ihn und brachten ihn zurück, zurück aus der vierten Gruppe in die Spitze des Rennens, um am Ende zeit gut zu machen in der Gesamtwertung. Nicht nur einmal, sondern gleich auf mehreren Etappen. Einmal lag Dan Craven am Boden, das Rad zerstört, die Trikots zerrissen und mit Blutflecken übersät, normal hätte er sicher aufgeben. Doch er wusste das er nicht alleine war, dass es nicht nur um ihn ging, das die anderen im Team bereits alle Kräfte investiert hatten um ihm im Rennen zu halten, also ging es weiter.
 
Dan Craven beendete die Tour du Maroc am Ende auf dem 5. Platz in der Gesamtwertung, 4 Minuten und 4 Sekunden hinter dem Gesamtsieger Julien Loubet aus Frankreich. Das brachte Dan Craven 10 UCI Punkte für die Afrika Tour ein. Unzählige Schmerzen, eine unglaubliche Quälerei für 10 Punkte, ist es das Wert? Sicher nicht, da ist viel mehr was es so faszinierend macht sich für diese Sportart so zu quälen, aber das muss man selbst erleben um es zu verstehen. Unser Team scheint durch diese Erlebnisse, diese guten und auch nicht schönen gemeinsamen Erfahrungen eng zusammen gewachsen zu sein, eben ein TEAM geworden zu sein. Nicht zuletzt war dies möglich, da wir mit Yves einen unglaublich erfahrenen Sportlichen Leiter dabei hatten der mit seiner Freundin und unserer Pysio Laura nicht weniger leisteten als unsere Fahrer. Jeden Tag auf´s neue mussten sie ihr Hemden durchschwitzten, ihre Stimme ruinieren, sich Stundenlang ihre Ohren vom Radio Tour betäuben und das Wehleiden unserer Jungs in gute Stimmung umwandeln. Danke dafür!