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Kirsten und Harry - Transalp im Doppelpack

Montag, Jul 31, 2017 in Community, 1133 x angesehen

Dieses Mal hat der Wettergott es richtig gut mit uns gemeint. Um es schon mal vorweg zu nehmen, wir sind noch nie eine Transalp bei solch tollen Bedingungen gefahren. Kein Tropfen Regen, warme bis sehr heiße Temperaturen und nur Sonnenschein.

Regnete es bei unserer Ankunft in Mayrhofen noch in Strömen, stellte sich im Laufe des Samstags besseres Wetter ein und pünktlich zum Start am Sonntagmorgen war es dann richtig genial. Die diesjährige Streckenführung durch die Dolomiten tat ihr übriges, um diese Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen.

Mehr "blau" auf dem Mountainbike

Ganz untypisch startete das Rennen direkt am ersten Tag mit der Königsetappe (105km, 3.100hm). Obwohl „relativ“ viele Teeranstiege zu bewältigen waren, war der konditionelle und auch technische Anspruch der Etappe nicht zu unterschätzen. Und eins können wir schon mal festhalten: eine Woche Rennrad-Transalp – keine blaue Flecken; ein Tag MTB-Transalp – wo sind eigentlich keine blauen Flecken. Gleich im ersten ruppigen Anstieg zum Pfitscherjoch lag dann auch ein Felsen im Weg, der einfach nicht weichen wollte und dazu führte, dass Kirsten quasi im Stehen mitsamt Rad umkippte; Schienbeinprellung und etwas Blut inclusive. Danach ging es dann ohne weitere Vorkommnisse bis in Ziel. Zum Ende der Etappe stellten sich noch einige heftige Trails und steile Gegenanstiege in den Weg, bevor wir endlich in Brixen einfahren konnten. 

Meistens mehr als 12 Prozent

Die zweite Etappe war nicht weniger anstrengend als die erste; die nackten Fakten sprechen für sich: knapp 2.700hm verteilt auf 63km waren ein hartes Stück Arbeit; dafür war die Etappe landschaftlich ein absoluter Traum. Aber warum sind die Berge nur so steil in den Alpen? Selten stellt sich uns ein Anstieg unter 12% Steigung in den Weg; meistens sind wir weit jenseits von 15% Steigung.

Schöner schieben im Nationalpark

Etappe 3 ist schnell zusammengefasst: Hart – viele Schiebestücke sowohl bergauf als auch bergab – super Wetter – tolle Ausblicke – Mountainbiken eben! Sah die Etappe in der Streckenbeschreibung noch relativ harmlos aus (Papier hält eben still), stellte sich dies in der Wirklichkeit doch etwas anders dar. Aber dafür wurden wir mit vielen Trails und tollen Abfahrten belohnt. Eine 15-minütige Schiebepassage (400hm bergab) durch den Nationalpark (Fahren war streng verboten) – den Stau am Einstieg miteingerechnet haben wir dann mindestens 40 Minuten benötigt – hätte man sich allerdings sparen können. Wir wurden jedenfalls von strengen Nationalpark-Rangern bewacht; jeder der versuchte zu fahren, wurde direkt vom Rad genommen. Im Ziel angekommen sind wir richtig müde; momentan können wir uns nicht vorstellen, wie wir die nächste Etappe noch überstehen sollen. Es steht ja „nur“ eine weitere Königsetappe an. Aber wie sagte schon Franz Beckenbauer: „Schaun mer mal“.

Dolomiti at its best!

98km, 3.000hm nach Kaltern am See – eine weitere Bilderbuchetappe durch die Dolomiten ist Geschichte. Super Wetter, traumhafte Ausblicke – es geht nicht besser. Tolle Abfahrten, technische Trails, schnelle Schotterpisten, ruppige Karrenwege: heute standen in Summe mehr Downhills auf dem Programm, was uns eigentlich entgegenkommt. Zu Beginn lief es richtig gut. Leider hat sich uns zum Schluss noch ein letzter Anstieg auf Teer jenseits der 15% Steigung in der prallen Mittagssonne (bei gefühlt mindestens 50 Grad) in den Weg gestellt. Dies hat bei Kirsten komplett „den Stecker gezogen“; nichts geht mehr. Wir können uns nur noch auf der letzten Rille ins Ziel retten. Sehr zum Verdruss von Harry wurden wir kurz vor dem Zieleinlauf noch von zwei Mixed-Teams überholt, was die Stimmung nicht gerade gesteigert hat. Aber dies war schnell vergessen; denn eigentlich ist die Platzierung zweitrangig; dabei sein ist alles; heil durchkommen steht an erster Stelle – dies vor allem, da wir heute einige schlimme Stürze gesehen haben.

Bremshebel bricht - Baum hält

Etappe 5 startet mit 15km neutralisierter Phase – der blanke Horror. Die ersten Biker küssen schon auf diesem Stück den Asphalt. Danach ging es erst mal 1.200hm bergauf. Wir waren heute wider Erwarten gut in Form und konnten schon bergauf einige unserer direkten „Gegner“ überholen. Danach ging es in wechselndem Gelände (Trails – Waldwege – Schotter) kupiert weiter. Genau unser Ding, bis wir im Eifer des Gefechts an einer Abzweigung vorbeigefahren sind. Dieses Verfahren hat uns nicht nur einiges an Zeit gekostet, sondern auch alle die wir vorher überholt hatten, waren jetzt wieder vor uns. Ab da hieß es Vollgas und dies wurde uns zum Verhängnis. Kirsten stürzt in einem relativ einfachen Trail. Ab diesem Zeitpunkt ist nur noch die Vorderbremse verfügbar, die Hinterradbremse war nicht mehr zu reparieren. Was tun? Wir tauschen die Räder, da Harry glaubt, der bessere Techniker zu sein, und sich zutraut mit einer Bremse weiterzufahren. Die letzten Kilometer nach Trento sind über ruppige Trails bergab zu bewältigen. Und hier wird Harry dann doch etwas übermütig und wird an einem steilen, rutschigen Stück quasi vom Hinterrad überholt. Prellungen, Abschürfungen, Trikot kaputt – das ganze Programm. Als ob dies nicht genug wäre, wird Kirsten dann noch Harry’s breiter Lenker zum Verhängnis. An einer Engstelle – einer sehr engen Stelle – bleibt sie mit dem Lenker hängen und stürzt links den Abhang runter. Gott sei Dank war ein dünner Baum im Weg, an dem sie sich festklammern konnte. Das Ergebnis dieser Etappe: Bremshebel im A., Lenker gebrochen; aber an uns ist noch alles dran.

Das Feld wird müde

Etappe 6 ist schnell erzählt: 50km und 2.000hm – es geht quasi nur bergauf; dies ist nicht unser bevorzugtes Streckenprofil. Die Strecke selbst war sehr schön und anspruchsvoll. Trails und ruppige Pisten bergauf, dafür wurden wir mit einer letzten spaßigen Abfahrt durch den Bikepark von Lavarone belohnt. Wir sind jetzt wirklich froh nur noch eine Etappe absolvieren zu müssen. Aber die Müdigkeit macht sich im ganzen Teilnehmerfeld bemerkbar. Dies ist wohl auch eine Ursache für relative viele und schwere Stürze in den letzten beiden Tagen. Eins steht jedenfalls jetzt schon fest: die 20. Bike Transalp ist konditionell sehr fordernd.

Die ganze Plackerei - für diesen einen Eisbecher

Die letzte Etappe ist wieder ganz nach unserem Geschmack. Wir werden schon morgens gewarnt, dass es sich immer noch um eine richtige MTB-Tour handelt und kein Schaulaufen zum Gardasee auf dem Programm steht. So ist es dann auch: konditionell anstrengend, technisch anspruchsvoll, schöne Ausblicke auf dem See im letzten Drittel. Und am letzten Anstieg müssen noch mal alle verbliebenen Körner mobilisiert werden: steil, heiß, lang. Aber irgendwann ist auch das geschafft und es geht nur noch bergab und ein paar Kilometer flach bis ins Ziel. Geschafft! Platt aber dennoch überglücklich und auch etwas stolz, dass wir unser Vorhaben – beide Etappenrennen zu beenden – durchziehen konnten, fahren wir auf dem 18. Platz in der Mixed-Kategorie über die Ziellinie. Jetzt haben wir uns den Eisbecher, der schon seit Tagen in unserem Kopf herumschwirrt, mehr als verdient.

Wir gehören zur MTB Fraktion - und wissen warum.

Unser Fazit nach diesen beiden Etappenrennen ist ganz klar: die Tour-Transalp war schön (wenn man vom Wetter mal absieht) und anstrengend aber die Bike Transalp übertrifft dies doch in Längen. Der Anspruch sowohl konditionell als auch technisch ist nicht zu vergleichen – aber dennoch: wir haben mal wieder erkannt, dass wir doch eher zur MTB-Fraktion gehören, nicht zuletzt, weil die Teilnehmer doch wesentlich lockerer drauf sind.

Kirsten und Harry

 

Anmerkung von Eric: Heute morgen, als die beiden ihren Bericht an mich gesendet haben, las ich in der begleitenden Mail: "Das war jetzt aber ganz sicher unsere letzte Transalp".  

Ich lache tatsächlich immer noch - lese ich diesen Satz doch jetzt seit 5 Jahren :-) und freue mich schon auf den Bericht von 2018! 

Vielen Dank ihr beiden für den tollen Bericht & Fotos!