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Donon - neuer Trail und neues Opfer

Sonntag, Mai 29, 2016 in Community

Der Gipfel des 1000m hohen Donon, einstige keltische Kult- und Opferstätte, ist immer ein neues Bike-Abenteuer wert. Heute lagen Licht und Schatten verdammt nah beieinander. Wieder einmal hatte unser Traditions-Gipfel seine ganze eigene Dramaturgie für uns parat.

Lange Zeit ohne Donon-Abenteuer

Fast zwei Jahre ist her, dass wir zum letzten Mal in den Nordvogesen waren und dem Lieblingsberg in der Region einen Bike-Besuch abgestattet haben. Die Liste unserer Donon-Abenteuer ist lang. Da war alles schon dabei, Hitze, Schnee und Eis - aber immer war ein Tag am Donon etwas ganz Besonderes. Nachzulesen hier: in der vollständigen Chronik unserer Donon-Abenteuer

Unter anderem waren wir vor ziemlich genau 10 Jahren dort auch unterwegs - damals mit anderen Klamotten und anderen Bikes. Schaut selbst.

Wohlgestimmte Wettergötter

Ein wirklich toller Tag: 19 - 23° und überwiegend blauer Himmel. Wir entscheiden uns die Auffahrt über die Forstwege zu nehmen. Bei 25km und etwa 800 Höhenmetern haben wir mit einer gut fahrbaren leichten Steigung zu rechnen. Einzig der stellenweise etwas tiefe Boden verlangt uns ab und an etwas mehr Körner ab. Dafür werden wir aber mit einer explodierenden, voll in Chlorophyll stehenden Natur und mit tollen Panormamen entschädigt. Zwei Jahre Donon-Pause waren zu lange. Es ist immer wieder verblüffend, wie schnell sich dieses Canada-Unendlichkeits-Gefühl in den Vogesen einstellt.

Für die letzten Meter bis zur Passhöhe nehmen wir die Strasse. Dort treffen wir auf weitere saarländische Biker - es gibt laute und leise, dicke und dünne (auch die Reifen ...) und dann natürlich uns - die mit den Stollenreifen. Kurz vor der Passhöhe gibt es die Quelle der roten Saar zu bestaunen - wir nutzen sie eher um unsere Flaschen aufzufüllen. Wer hat schliesslich schon mal aus der Saar getrunken?

Die Saar - ein Fluss und seine Geschichten

An dieser Stelle möchte ich die Aufmerksamkeit auf einen tollen Artikel von Peter Münch, erschienen auf merian.de lenken. Dort wird man von den beiden Quellen und den Zusammenfluss in Lothringen bis zur Mündung in Konz einiges über den saarländischen Namensgeber erfahren.

Der Gipfel - fest in der Hand von BIKE AID

Am Gipfel überrascht uns unsere einzige weibliche Mitfahrerin mit Käse, Salami, Brot und Rotwein. Ich habe schon immer vermutet, dass es in den Handtaschen der Damen irgendwelche Geheimfächer gibt, in denen sich alle möglichen Utensilien verkleinern und verstecken lassen. So etwas scheint auch bei Bike-Rucksäcken zu funktionieren. Gestaunt haben jedenfalls nicht nur wir. Eine Gruppe von drei Rennradlern aus unserer Heimatgegend erscheint plötzlich ebenfalls auf dem Gipfelplateau. Nach kurzem Plausch wird klar - ebenfalls BIKE AID Mitglieder, die ich aber nicht alle persönlich kannte. Leider haben die Armen nur die rennrad-übliche Notnahrung in Form von drei Energieriegeln dabei. Zum Glück durften wir dann kalorienmässig etwas aushelfen - was auch freudig angenommen wurde.

Holy Trail nach Wackenbach

Nach fast zwei Stunden in der Gipfelsonne würde man normalerweise die Standardroute über den GR5 zurück zum Startort nach Abreschviller nehmen. Heute ist aber Expedition angesagt. Expedition im Sprachgebrauch unserer Truppe bedeutet eigentlich immer auch: Suche nach neuen Wegen, auch wenn es mal abenteuerlich wird und ins Ungewisse führt. 
Mehr als 50 Mal war ich schon in der Gegend unterwegs und ich verstehe wirklich nicht wieso mir noch niemals der Trail nach Wackenbach (kurz vor Schirmeck) auffiel. Wir folgen den ersten Schildern und finden den Holy Trail. Ein 7km 650 Höhenmeter komplett fahrbarer, teilweise sehr technischer Trail, der mitten im verschlafenen Wackenbach am Brunnen endet. 
Wo ist derHaken? Nun, den gibt es nicht, ausser dass man jetzt von der anderen Seite den ganzen Donon wieder hinaufradeln muss. Aus Zeitgründen entscheiden wir uns für die gut fahrbare Passtrasse von Schirmeck zum Col du Donon. Oben angekommen nehmen wir die bekannten Trails nach Abreschviller. Aber auch auf dieser Abfahrt entdecken wir einen Platz, dem wir nie so richtig Bedeutung geschenkt haben.

Lieu dit - Belle Roche

Die Franzosen sind sehr pragmatsich im Umgang mit Ihrer Sprache. In diesem Fall steht an unserem Rastplatz einfach ein kleines Schild auf dem wörtlich übersetzt steht: Dieser Ort heisst "Schöner Fels". Bei einem Amerikaner wäre es vermutlich "The most beautiful, scenic view rock on the planet". Belle Roche ist in der Tat fast noch schöner als der Gipfel des Donon und damit jeden Zwischenstopp wert. Der Blick schweift über endlos weite Wälder und Richtung Süden, ganz am Horizont sieht man, klitzeklein, den Tempel auf dem Gipfel des Donon. Vom Donon bis Belle Roche geht es, immer dem GR5 überwiegend sehr trailig bergab. Da ist für jeden geübten Mountainbiker etwas dabei - allerdings nichts für die klassische Familientour.

Das Opfer

Wir nähern uns dem Ende unseres genialen Biketages in Frankreich als einer unserer Mitfahrer - das Schicksal will, dass es ausgerechnet ein Franzose ist - auf einem schotterigen Downhill-Abschnitt schwer stürzt. Das alleine ist schon blöd, aber beim Radsport ist ein Sturz halt immer und überall drin. Bei Charles geht es leider, wieder einmal, besonders schlecht aus.
Er bricht sich den Unteram, genau an der gleichen Stelle wie schon im Vorjahr. Die Fraktur damals war schon schlimm und hat zusammen mit anderen Verletzungen für einen Hubschrauberflug in die Klinik gesorgt - und jetzt: erneut eine komplizierte Fraktur an der operierten Stelle.
Wir bergen den - zum Glück immer noch gut gelaunten - Pechvogel mittels Geländefahrzeug aus dem Wald, und das war es dann auch mit der guten Laune. Charles muss wieder operiert werden und wird viele Wochen ausfallen.
Hat der Donon sich an seine keltisch-römische Vergangenheit als Opferberg erinnert und sich wieder einen von uns geschnappt? Das werden wir wohl nie erfahren und den Berg munter weiter erkunden. Diese Tour war mit über 70 Kilometern und 2000 Höhenmeter schon etwas intensiver - auch vom Mix der Gefühle.

Den Unfall von Charles bedauern wir wirklich und wünschen Dir, lieber Charly, auf diesem Wege Gute Besserung!
Und wo wir gerade dabei sind - Gute Besserung auch an Stephan, der sich, ebenfalls beim Biken, eine üble Wirbelsäulenverletzung zugezogen hat. 
Ob speziell diese beiden Crashs vielleicht auch vermeidbar gewesen wären müssen die Unglücksraben selbst entscheiden.

Passt auf euch auf! Mountainbiken ist zwar sicher nicht annähernd so gefährlich wie die Fortbewegung auf der Strasse - aber man muss auch mal "Nein!" sagen können und wirklich nicht jeder Sprung und jeder Trick ist eine versaute Bikesaison wert. 

 

In diesem Sinne, ride and smile, 

euer Eric

 

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