Image

Hellga fährt nach Rimini - oder 4 Verrückte auf 8 Slicks

Montag, Sep 1, 2008 in Charity

Das Ganze begann während einer unerträglich langen
Ergometer-Trainingseinheit im Winter 2007, beim monotonen dahintreten und schwitzen kam irgendwann mal die Frage nach dem Sinn des Ganzen auf : (Text und Fotos: Markus, Lutti, Walter, Doc)
Marathon? - Schon gehabt, 400km Nonstop mit dem MTB - auch schon erlebt. 24h-Rennen & SiS waren auch bereits erlebt, Alpencross - gehört zum
festen Sommerprogramm also mal was ganz anderes, Verrücktes
Wie wärs mal mit einer Nonstop-Fahrt ans Meer ? Nordsee / Ostsee - na ob
da das Wetter wohl mitspielt, und als BikeAider/Alpencrosser sollten
doch wenigstens die Alpen mit dabei sein. Also gut, an die Adria zum
Eisessen.Da das ganze nicht über 3 Tage dauern sollte kam nur eine Tour
mit dem Rennradl in Frage, nur, so oft ich auch den Keller abgelaufen
bin, da war Keins. Also mal schnell mit Markus von Total-Normal
gesprochen, ob er mir für dieses Vorhaben einen Tip geben könnte. Der
war sofort Feuer und Flamme, auch wenn er mich aus den Augenwinkeln ein
wenig komisch ansah, und setzte alle Hebel in Bewegung um mir das
perfekte Bike, nach meinen Wünschen fast vollständig aus göttlicher
Carbonfaser geschmiedet, zu realisieren.

Nun noch einen Eintrag ins Forum, in der Hoffnung wenigstens Einen zu
finden der verrückt genug den Sturm auf Rimini mit mir zu wagen, ohne
auch nur einen Plan zu haben wie das alles zu realisieren sei.
Es fand sich nicht einer, nein 3 Mitfahrer, Doc,Lutti & Walter waren
Feuer und Flamme und wollten mir beim Fahren abwechselnd Gesellschaft
leisten, das erste Treffen bei Pizza & Rotwein verlief als reines
Brainstorming, jeder brachte seine Ideen ein und so langsam wuchs aus
der fixen Idee ein Gerüst aus dem ein Projekt entstehen konnte.
Nach der Routenplanung am Computer mit anschließender 2.
Pizzavernichtung sowie einem letzten ?Pastatreffen war alles geklärt,
die Mitfahrer hatten definitiv zugesagt und es konnte losgehen.

Es war zuerst geplant dass ich die gesamte Strecke durchfahre, immer
abwechselnd begleitet von einem meiner Mitfahrer, der Zweite konnte
ruhen und der Dritte führt den Bus zum Wechselpunkt.

Am Freitag um 7:30 trafen wir uns zur Abfahrt bei mir, ein wenig
aufgeregt ob es überhaupt zu schaffen sein war der eine oder andere
schon, und nach dem Start waren die ersten Kilometer auch irgendwie
merkwürdig, unwirklich, was sich aber nach 100 getretenen Kilometern in
reine Routine verwandelt hatte.
Was vom ersten gefahrenen Meter auffiel war die geniale Stimmung die
unter uns war, die auch in heftigen Momenten, z.b. als der Bus in der
falschen Stadt mit gleichem Namen an einer Strasse die es in beiden
Städten gab auf uns wartete, und wir, nach brutal langem Anstieg zum
Treffpunkt erkennen mussten dass kein Bus da war, nie schlecht wurde,
sondern immer fröhlich & partymässig war, so dass ein Gag den nächsten
jagte, z.B. stylte Walter seine Frisur mit Latschenkiefercreme (roch
aber sehr sportlich) oder Lutti hinterlies einen bleibenden Eindruck in
Göppingen als er ... er lassen wir das lieber.
Oder eine andere Regel sagte :"Du kannst nie sicher sein das das Teil
das Du vor Deiner Etappe in den Bus gelegt hast, nach der Etappe nicht
ganz woanders in Bus aufgefunden werden wird", besonders wenn Walter des
Bus gesteuert hatte.

So ging es den los über Landau nach Göppingen (380km) wo die erste kurze
Nachtrast war, nach 45 Minuten Schlaf im Bus, ich lag hinten auf der
Matratze die nie kalt wurde, 3 saßen vorne und stützten ihre Köpfe
gegenseitig im Schlaf, ging es weiter über die schwäbische Alp Richtung
Füssen, Lutti und ich kauften uns zusammen einen Kaisersemmel den wir
kameradschaftlich teilten und der uns nach den endlosen Gel &
Riegelorgien wie eine Pizza mundete. Beim ersten Anstieg musste ich
erkennen dass eine Fahrt ohne längere Pause wohl nicht durchzuführen
war, weil mein konditioneller Zustand aufgrund der fehlenden
Erholungsphase immer schlechter wurde, so schlecht dass Doc mich ablösen
musste weil 10% Steigung plötzlich unüberwindlich waren.
Nach 4 Stunden Pause mit Kopf auf dem Lenkrad für mich & Matratze für
Walter sah die Welt wieder anders aus, inzwischen hatten Lutti und Doc
130 km zurückgelegt, ich wechselte mit Lutti und fuhr mit Doc weitere
50km, danach wechselte Doc mit Walter und wir fuhren nochmals 60km bis
nach Füssen wo in der Nacht der Sturm auf die Alpen mit der Überquerung
des Fernpasses durch Lutti & Walter beginnen sollte. Doch bereits bei
der Abfahrt zur vorherigen Etappe öffnete Petrus seine Schleusen, danach
kam noch brutaler Seitenwind mit Böen und Kälte dazu, so dass wir in
Füssen beschlossen haben, das erstbeste Hotel das uns vor die Räder kam
zu nehmen und die Nacht dort zu verbringen. Nun das erste Hotel war auch
das Beste, hatte 4 Sterne, und so schickten wir Lutti als den Einzigen
der noch ein einigermaßen menschliches Antlitz hatte als Kundschafter
aus ob denn noch Platz für 4 frierende,hungrige Bikerlein wäre. Er kam
mit positivem Bescheid zurück und die 200 Meter bis zur Garageneinfahrt
des Hotel waren die Schnellsten die ich auf dieser Tour zurückgelegt
hatte. Die Räder schliefen natürlich neben uns im Zimmer, was beim
Transport im Aufzug in diesem Ambiente schon ein wenig für Aufsehen
sorgte. Nach Duschen, Salat, Pizza & endlosen Getränken ging es in ein
warmes Bett mit echten Kissen, und noch dazu jeder ein Eigenes, ohne das
es schon warm war wenn man sich reinlegte ... eine perfekte Nacht.

Am nächsten Morgen nach ausgiebigem Frühstück wurde dann der Fernpass
von Walter & Lutti genommen, wobei unsere einzige Panne auf der Tour
eintrat, Lutti hatte platt und natürlich keine Luftpumpe dabei, also
nochmals mit dem Bus den Fernpass hinunter und erste Hilfe leisten,
nicht ohne mit Spott & Schimpf zu sparen.

Vom Fernpass aus hab ich dann die nächsten 75km in Angriff genommen,
dabei mit 1604M den höchsten Punkt unserer Route überquert, danach Doc
über den Reschenpass bis nach Italien, wobei die Fahrerwechsel diesmal
deutlich flotter durchgeführt wurden, schließlich wollten wir ja
wenigstens noch bis an die italienische Grenze kommen.
Dort angekommen war Rimini wieder greifbar, also wurde erneut Rimini als
Ziel gesetzt und deutlich forciert gewechselt & gefahren. Die nun
folgende Nachtfahrt bestritt ich mit Walter, nach 50km hat dann Walter
mit Lutti gewechselt und wir beide sind dann 75 km durch diverse Dörfer
unter anderem mitten durch das Rotlichtviertel von Trento, was ob der
späten Stunde und der Gestalten aller Couleur direkt am Straßenrand doch
ein mulmiges Gefühl verursachte.
30 km vor dem Gardasee war dann eigentlich klar dass Rimini (305km)bis
zur Deadline in 8 Stunden in unserem Zustand nicht mehr zu schaffen ist,
da niemand mehr zum wechseln da war fuhr ich dann noch alleine bis
Torbole an den Gardasee,dort haben wir dann unsere Reise mit einem
abschließenden Gruppenfoto beendet

Es war ein wahnsinnig anstrengendes, aber mindestens genauso schönes
Unternehmen, noch während dem Zusammenpackens haben wir uns vorgenommen
im nächsten Jahr, mit den gesammelten Erfahrungen in gleicher Besetzung
Rimini erneut zu stürmen, die Planung läuft bereits ...

Ein großes Lob & Hochachtung möchte ich meinen Mitfahrern Lutti & Walter
aussprechen, die mit umgebauten Mountainbikes immer wieder an den Start
gingen und mit unseren Rennrädern Schritt hielten, ebenso ihr
liebevoller Umgangston untereinander der immer wieder zu Lachattacken
führte ("... wenn du nochmal Deine nassen Radschuhe mit meinem Tabak
ausstopfst dann hau ich dir in die Fresse..." - "... jetzt gibt mir
endlich ein Stück von Deiner Pizza du A......")
Ebenso an Doc, der trotz seines wund gescheuerten, blutenden
Sitzfleisches bis zum Schluss eisern auf dem Sattel blieb und trat was
das Zeug hielt. Also mit einem Satz : "SAGT MIR WO IHR HINWOLLT,ICH BIN
SOFORT DABEI!!!"

Ein besonderes Lob geht an die Jungs von Total-Normal in St. Ingbert,
für ihre Unterstützung, immer kompetente Beratung und ihr Beinausreissen
wenns mal zeitlich eng wurde.


Markus