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Und plötzlich war alles anders – Salim Kipkemboi erringt historischen Sieg

Freitag, Feb 2, 2018 in Pro Cycling, 689 x angesehen

Der erst 19-jährige Kenianer Salim Kipkemboi hat mit seinem Sieg auf der Königsetappe der Sharjah Tour (UCI 2.1) nicht nur die starke Konkurrenz verblüfft, sondern Historisches geschaffen.

Ein einzigartiger Moment

Es ist Freitag, der 26. Januar an einem milden Tag in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das gesamte Team BIKE AID hat bereits einen tollen Saisonstart hingelegt und bei der Amissa Bongo in Gabun mit einem Etappensieg, dem Gewinn der Mannschaftswertung und Platz 2 in der Einzelwertung durch Niko Holler nicht nur überrascht, sondern die Messlatte bereits hochgelegt.

Es steht nun die Königsetappe der Rundfahrt, der sehr gut besetzten Sharjah Tour (UCI 2.1) an. Am Start stehen Fahrer von zahlreichen europäischen Prokontinental-Teams, deren Budgets mehrere Millionen Euro betragen und deren Fahrer jahrein jahraus an den sog. „Grand-Tours“ der Radsportwelt (Tour de France, Giro d’Italia und Vuelta Espana) erfolgreich teilnehmen.

Doch oft kommt es am Ende ganz anders als man denkt. Nicht etwa Favoriten um Javier Moreno Davide Rebellin, Nicolai Mihailov oder Jacopo Mosca sind die gefeierten Helden am Ende der Kletterpartie. Nein es ist ein Junge, der erst vor wenigen Jahren durch Zufall zum Radsport gekommen ist. Dieser Junge heißt Salim Kipkemboi und kommt aus Kenia. 19 Jahre ist er erst alt und praktisch noch ein „Teenie“.

Wo kommt Salim eigentlich her?

Wenn man Salim beschreiben müsste, dann würde sich das ungefähr so anhören: zielstrebig, wissensdurstig, lernwillig und ungeheuer motiviert. Er ist ein ruhiger, eher introvertierter Junge, der durch seinen enorm trockenen Humor nicht nur seine Teamkollegen zum Lachen bringt. Sein zu Hause würde man eher als sehr bescheiden beschreiben – in Afrika.

In Europa fände man dagegen ganz andere Worte, die seine Herkunft zeichnen würden – wohl nur der anderen Maßstäbe und Perspektiven wegen.

Schulbildung? Fehlanzeige. Denn so etwas gibt es in nachhaltiger Form nicht, dort wo Salim herkommt. Doch nun spricht er fließend Englisch, gar einige Brocken Französisch sind mittlerweile drin. Wie so etwas geht? Salim nimmt sein Schicksal in die Hand, sieht am „hauseigenen“ 23 Kilometer Anstieg hoch nach Iten als 16-jhriger tagein tagaus die Jungs vom „Kenyan Riders“ Projekt hochdüsen.

Auf ihren Rennmaschinen – wir in Europa würden aber auch diese Bikes euphemistisch wenn überhaupt als „Winterrad“ bezeichnen. Doch für Salim war es das Größte. Er auf seiner „Black Mamba“ (afrikanisches Transportfahrrad) und die Jungs auf den Rennmaschinen.

Auf der Black-Mamba den Berg hoch

Er beschließt einfach mitzufahren. Jeden Tag, berghoch. Er mit einem fast 20kg schweren Rad. Doch er hält mit, bleibt im Camp. Weil er es toll findet und Spaß hat.

Er geht einfach so zu den Unterrichtsstunden, die Camp- und Projektgründer Nicholas Leong in stoischer Ruhe jeden Tag abhält. Mathematik, teils Grundlagen der Physik in Anlehnung zum Radsport, aber auch allgemeines Weltgeschehen stehen auf dem Tagesplan.

Journey On The Pedals Trailer from Nicholas Wambugu on Vimeo.

Salim integriert sich in die Gruppe und trainiert. Er hat Spaß am Wettkampf und am Radfahren. Es wird sein Lebensinhalt. Dann kommt er 2017 in seinem ersten Männerjahr zu BIKE AID und lernt weiter. Taktik, Technik und was sonst dazugehört auf großer Radsportbühne, z.B. bei der Tour of the Alps.

Am Freitag war es dann so weit. Salim gehörte der finalen Spitzengruppe an und traf viele richtige Entscheidungen. Er gewann als erster Kenianer ein Profirennen. Aber dieser Sieg bedeutet mehr als das.

Ein Projekt, das Leben verändert

Dieser Sieg ist ein Beweis dafür, dass es sich lohnt nachhaltig zu arbeiten. Dass es sich lohnt, an Ziele zu glauben und jeden Tag alles dafür zu geben. Nicht nur der Sportler, sondern alle, die an dem gesamten Projekt mitwirken.

Mit Nicholas Leong, Simon Blake und Ciaran Fitzpatrick sind Menschen am Werk, die an der Basis in Kenia tolle Arbeit leisten. Die jungen Menschen erste Chancen aufzeigen und diese fördern. Warum? Weil sie daran glauben, dass diese Talente in Afrika es verdienen Chance zu bekommen.

Dieser Sieg ist ebenso ein erster Beweis dafür, dass es sich lohnt an seinem Konzept festzuhalten und dass es seine Zeit braucht, bis man Früchte ernten kann.

Seit 2014 integriert BIKE AID Fahrer aus Afrika in das Pro-Team um Ihnen diese Chancen zu ermöglichen, die Salim nun zu einem solchen Sieg geführt haben. Anfangs in der Welt des Profiradsports vielleicht noch öfter belächelt, werden das Konzept und Team BIKE AID mittlerweile mehr als ernst genommen.

Jeder Beteiligte ist sich bewusst, dass es nicht der Gewinn der Weltmeisterschaft war, aber ein Sieg auf dieser Ebene des Radsports mit einem so jungen Kenianer zu erringen ist für Projekt und alle involvierten Personen gefühlt wie der Gewinn der Weltmeisterschaft – und mehr als Motivation genauso weiterzumachen und alles für die Weiterentwicklung zu geben.

Gesamtwertung Sharjah Tour 2018 

Teamwertung Sharjah Tour 2018 

Nachwuchs-Wertung Sharjah Tour 2018

Photo-Credits: Mathilde L'Azou