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Wintertrekking in den Vogesen

Freitag, Jan 9, 2009 in Community Auch im Winter und ganz ohne Fahrrad bieten sich die Vogesen als Reiseziel an. Während einer zweitägigen Wanderung erlebte ich einen echten Wintertraum in grandioser Landschaft.

Im Sommer wurde unsere Outdoor-Gemeinde durch eine Tour mit Biwak am Donon in den Bann der Vogesen gezogen. So wählten dann zwei Freunde und ich das Gebirge links des Oberrheins als Ziel unserer Trekkingtour im Dezember.
Für die Streckenplanung verantworlich, konzipierte ich eine Rundtour in den Hochvogesen über die Höhenzüge, die den See von Kruth-Wildenstein hufeisenförmig umfassen.


Tag 1:
Nach gut drei Stunden Fahrt erreichen wir Kruth, wo wir unser Auto auf einem Parkplatz so groß wie ein Flughafenrollfeld abstellen. Wir sind allerdings die einzigen Parkplatznutzer.
Die Rucksäcke werden geschultert und wir beginnen die Tour. Vor uns liegt ein 700 hm-Aufstieg.

Zunächst führt ein Pfad durch einen Mischwald parallel zu einem Bach, den die Kälte (hier im Tal -5°C) stückweise in Eis verwandelt hat.
Da ich hier weder technisch noch konditionell gefordert bin, kann ich meine Aufmerksamkeit den Geräuschen widmen: Das kontinuierliche Rauschen des Baches, das Auftreten der Stiefel auf gefrorenen Grund und das Lostreten kleiner Steine, die angefroren im Boden stecken. Autolärm ist nicht zu vernehmen. Wir bewegen uns also wirklich in einer friedlichen Umgebung.
Dies ändert sich jedoch, als wir die Schneegrenze erreichen. Gefrorener Schnee auf schiefem Grund lässt einen Gefährten ausgleiten. Wenig später auf knapp 1000 m Höhe verlassen wir den Wald und der Wind heißt uns frostig willkommen.



Die Witterung wird nun zunehmend unfreundlicher. Auf gefrorenem Schnee steigen wir eine steile, breite Schneise hinauf, während wir zunehmend in Wolken eintauchen. Diese werden von einem kräftigen Ostwind über die Gipfel gefegt. Hier haben wir den einzigen menschlichen Kontakt für heute. Ein Wanderer steigt ab, als wir uns zu fortgeschrittener Uhrzeit in Richtung Schweisel (1271 m) vorarbeiten.
Nach Passieren der total verschneiten Route des Crêtes auf 1170 m Höhe, sind wir dem Wind voll ausgesetzt. Die Temperatur ist auf deutlich unter -5°C gefallen und der eisige Ostwind erfordert das sofortige Anziehen der Jacken.

Entsprechend eingepackt gehen wir die letzten 100 Höhenmeter an. Wir treffen auf den GR5. An einer etwas windgeschützten Stelle kommt die Lawinenschaufel zum Einsatz, die mir ein Alpinist in weiser Voraussicht mitgegeben hat. Etwa 70 cm schaufeln wir bis zum Boden den Schnee weg, um mit geschmolzenem Schnee einen Tee zu kochen.
Der Tee sorgt für etwas zusätzliche Wärme von innen. Bald darauf ist der Hochvogesen-Hauptkamm erreicht und der Wind greift mit voller Wucht von rechts an. Wir weichen auf einen links unterhalb des Kamms verlaufenden Weg aus, um nicht ganz so exponiert dem Wind ausgeliefert zu sein. Hier führt allerdings abschüssiges Terrain mit gefrorenem Schnee zu einigen Stürzen.
Wir werden jedoch für die Mühen belohnt und bekommen ein einzigartiges Naturschauspiel zu sehen. Die Abendsonne, die bis auf eine dünne Nebelschicht kurzzeitig zu uns durchdringt, erhellt die Umgebung mit einem besonderen Licht, ähnlich wie bei einer Sonnenfinsternis - eine phantastische Atmosphäre.

Um noch vor Einbruch der Nachtfinsternis einen Lagerplatz zu finden, eilen wir wieder hinauf zum Kamm, wo laut Karte eine Schutzhütte existiert. Die Sichtweite beträgt nur noch etwa 100 m, der Satellitenempfang ist dafür aber ausgezeichnet. Nach insgesamt knapp 8 km stehen wir dann vor der Schutzhütte, die bei dieser Witterung für uns aber wie ein 5-Sterne-Luxusresort daherkommt. Sogar Kamin und Brennholz stehen im Innenraum bereit.
Wir werfen die Kocher für das Abendessen an und als Betthupferl gibt's sogar noch eine Tasse Glühwein, während sich draußen der Sturm austobt.




Tag 2:

Die Nacht verbringe ich dank zweier Schlafsäcke angenehm warm und die Spannung ob des Wetters ist groß am Morgen. Um kurz vor 8 Uhr öffnen wir die auch von innen vereiste Metalltür der Hütte und befinden einheitlich: "Wow!" Die Morgensonne ist gerade dabei sich über die Berggipfel zu schieben und über der Morgenröte ruht ein stahlblauer Himmel.
Frühstücken, Packen und Abmarsch bei Bilderbuchwetter, das heute auch einige Schneeschuhgänger und Skitourenfahrer auf die Berge treibt.

Unsere Route verläuft über die Gipfel von Batteriekopf (1311 m) und Rothenbachkopf (1316 m) zum Rainkopf (1305 m). Dazwischen liegen jeweils nur wenige Höhenmeter, denn diese Gipfel besitzen nur einge geringe gegenseitige Prominenz. Am Rainkopf biegen wir auf den GR531 nach Westen ab. Vom Südhang bietet sich ein wunderbarer Blick auf den Stausee.

Vom Col de Bramont steigen wir in südlicher Richtung  den Osthang des Altenbergs hinauf, was sich als technisch schwierigste Passage der Tour herausstellt. Der Weg verläuft an einem steilen Hang und ist mit Tiefschnee bedeckt, auf dem wir bis zum Stiefelschaft einsacken. Kurz vor dem Gipfel ist der Hang jedoch mit einer Eisschicht überzogen und wir können dem Wegverlauf nicht weiter folgen. Wir entscheiden uns zum direkten Aufstieg über den Steilhang vor dem Einsetzen der Eisschicht. Nachdem wir auf diese etwas abteuerlichere Art schließlich wieder auf den Weg stoßen, findet man dort ein Schild, das vor dem Betreten des gerade zurückgelegten Pfades bei Schnee warnt und eine andere Route vorschlägt. Leider bekamen wir ein solches Schild in unserer Wanderrichtung nicht zu Gesicht.

Ein Serpentinenpfad führt uns bis unter die Schneegrenze hinab. Im weiteren Streckenverlauf müssen wir einige zugefrorene Bäche überqueren und auch einen Steilhang absteigen, als der Weg plötzlich aufhört. Aufgrund der einsetzenden Dämmerung erfolgt der finale Abstieg über einen breiten Forstweg, der direkt zum Stausee führt. Bei der Traversierung der Staumauer schweifen unsere Blicke noch einmal über die begangenen Höhenzüge. Wenig später ist die Tour am Ausgangspunkt nach 18 Tageskilometern beendet - jeder ist erneut von den Vogesen begeistert.


Salutations des Vosges
Julian