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F-VOGESEN: Mehrtages-Tour in den Vogesen

Mittwoch, Aug 27, 2008 in Community

Ein wunderschön bebilderter Bericht von Helmut Scheuer und Dennis Machwirt.

Ein Alpencross ist im Sommer die Krönung eines Mountainbike-Jahres. Dieses Jahr fiel die geplante sechste Alpenüberquerung wegen der fortgeschrittenen Schwangerschaft von Dennis, nein – natürlich von Dennis Frau aus. Aber ganz auf eine aufregende mehrtägige MTB-Tour zu verzichten, war uns auch nicht recht.
Gott sei Dank befindet sich – fast vor unserer Haustür – ein recht ansehnliches Mittelgebirge, das zudem touristisch kaum erschlossen ist und viele anspruchsvolle Routen zu bieten hat. 2004 hatte ich auf einem Vogesencross schon einige Teile des GR5 und GR 53 erradelt. Diesmal wollten wir ausschließlich Wanderwege benutzen und die breiteren Route Forrestiere, die an vielen Stellen die Vogesen durchziehen, möglichst auslassen.

Anfang Juli ging es los – von Saarbrücken am Saarkohle-Kanal entlang bis zum Stockweiher. Gemütliche 87 km zum Einrollen ohne nennenswerte Höhenmeter. Übernachtung auf dem Zeltplatz von Rhodes am Stockweiher mit meinem neuen 2,5 kg Zwei-Mann-Zelt, das in dieser Nacht auch einem ersten heftigen Gewitterregen und starken Windböen standhalten musste. Trotz des Starkregens und der ständig am Zelt zerrenden Böen kamen wir irgendwie doch zu ein paar Stunden Schlaf.

Der nächste Tag war regenverhangen und relativ kühl – wir fuhren den Saarkohlekanal weiter, bis er in den Rhein-Marne-Kanal mündet und dann weiter Richtung Straßbourg fließt. Bei Condrexange verließen wir den Kanal um über St. Quirin den Aufstieg zum Donon zu beginnen. Dennis ist noch nicht richtig fit, da er längere Zeit mit einem grippalen Infekt zu tun hatte, und quält sich nun die Route zum Donon herauf. Der nasse Untergrund in diesem von Sandstein beherrschten Gebiet tut ein übriges mit seiner etwas klebrigen Konsistenz, welches die Auffahrt zusätzlich erschwert. Als wir auf dem GR5 unterhalb der Passstraße den Donon erblicken müssten, sehen wir nur eine graue Nebel-Regen-Suppe. Unter diesen Bedingungen und bei diesen Temperaturen ersparen wir uns den Gipfelblick und fahren die Straße bis zum Hotel Col du Donon an ebendiesem und checken kurzentschlossen dort ein. Das Zimmer ist großzügig und modern mit Terrasse, das Essen hervorragend und der Preis mit 75 €¨ angemessen, wenn auch kein Schnäppchen.

Am nächsten Tag geht es ein Stück zurück zum Donon und dann über einen mir bekannten Weg rauf zum Gipfel. Heute ist das Wetter sonnig mit einigen Wolken und wieder recht warm. Der Gipfelblick ist atemberaubend mit einer tollen Weitsicht, wie sie so nur selten vorkommt. Wir machen schöne Fotos – siehe das Donon Panorama – und fahren dann weiter Richtung Schirmeck auf einem mit einem als X gekreuzten Wanderweg. Direkt unterhalb der Schutzhütte zwischen kleinem und großem Donon geht dieser bergab Richtung Schirmeck. Ein wunderbarer kilometerlanger Singletrail zunächst durch Fichtenwald, dann durch offeneres Waldgelände, das der Weihnachtssturm 1999/2000 hinterlassen hat. Hier beginnt ein gesunder Mischwald nachzuwachsen, der den Vogesen an vielen Stellen ein neues Gesicht geben wird. Stürme haben manchmal auch etwas Gutes, bieten sie doch die Chance, langweilige Fichten-Monokulturen durch einen gesünderen Mischwald zu ersetzen, der zudem von ganz alleine nachwächst. Leider habe ich heute die dunklen Gläser in der Sonnenbrille und sehe im oberen Teil des Trails zu wenig, um sicher zu biken. Also Brille in die Schlaufen des Rucksacks eingehängt und ab geht’s – die Brille leider auch – irgendwo während der teilweise ruppigen Abfahrt hat sie sich ins Gebüsch verabschiedet. Macht nix, kurze Zeit später sind wir in Schirmeck und sofort im Supermarché – Brillen gibt dort auch und 22 Euro ärmer und kurze Zeit später habe ich ne neue schicke Brille. Weiter geht es auf schmalen Pfaden nach Le Hohwald, wo wir abends auf dem Camping-Platz einkehren – verdammt – auch die neue Brille ist weg – ich beschließe, den Rest der Tour einfach ohne Brille zu biken.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf, die Cascade de Hohwald zu besichtigen – ein kleiner aber sehenswerter Wasserfall. Hier frönen Dennis und ich unserer zweiten Leidenschaft – dem Fotografieren des dynamischen Wasserspiels. Kurze Zeit später hinauf zum Rocher de l’Edelweiss schlagen wir einen großen Bogen vom GR 5 zum GR 53 und wieder hoch auf rund tausend Meter zum Croix Rouges und weiter zur Burgruine Neuntelstein. Nun ein weiterer Höhepunkt der Reise – das Kloster auf dem Mont St. Odile oder Odilienberg. Dieser Wallfahrtsort ist schon Teil des Jakobsweges vom Kloster Hornbach nahe Zweibrücken rüber ins Elsass, welcher teilweise auch durch unseren schönen heimischen Bliesgau führt. Im Kloster Mont St. Odile hat die heilige Odilie – Schutzpratronin des gesamten Elsaß ihre letzte Ruhestätte. Weiter oben auf dem Berg führt eine kilometerlange Mauer aus Bruchsteinen am Berghang entlang. Diese sogenannte Heidenmauer stammt aus keltischer Zeit und ist der Rest eines keltischen Oppidiums, einer Fluchtburg mit einem Ringwall aus Bruchsteinen ähnlich wie der Hunnenring in Otzenhausen, der ja auch von den Kelten und nicht von oder gar gegen die Hunnen erbaut wurde. Leider müssen wir noch eine Übernachtungsmöglichkeit auskundschaften, daher breche ich die Erkundung des Mauerrings ab. Übernachtung auf dem Place de Camping von Barr.

Der Sonntag beginnt mit passablem Wetter und bringt uns von der elsässischen Weinstraße wieder Richtung Westen in die aufsteigenden Berge der Vogesen. Wieder ist eine Burgruine auf unserem Weg – das Chateau Birkenfels auf etwa 800 Meter. Auf dem Trail dorthin überfährt Dennis eine arme Blindschleiche, die einfach nicht schnell genug wegkam. An Mountainbiker sind die armen Tierchen noch nicht gewöhnt. Diese Eidechse für Arme, die sich als Schlange tarnt, büßt dabei ein kurzes Stück Schwanz ein. Ich hoffe, sie hat das Debakel überlebt und Dennis verziehen. Weiter über den Ungersberg und vorbei am gleichnamigen Forsthaus geht es nach Triembach au Val. Leider ändert sich das Wetter schon gegen Mittag dramatisch – der Regen wird immer stärker und die Laune lässt mit jedem Tropfen nach. Nachdem wir la Ville keine vernünftige Bleibe finden konnten, fahren wir weiter nach Diefenbach au Val in ein nettes Gasthaus, wo uns freundliche Wirte für kleines Geld ein richtig nettes Zimmer zur Verfügung stellen. Das Restaurant mit Namen „Hinkelsnest“ kann sich auch sehen und schmecken lassen.
Den Rest des Tages verbringe ich im Internet und Dennis schaut sich das Wimbledon-Finale an. So ist für jeden noch was dabei.

Am Montag versuchen wir zunächst in la Ville mein schleichendes Luftverlust-Problem im Vorderreifen durch einen neuen Schlauch zu lösen. Leider hat das Decathlon dort erst ab 14:00 Uhr geöffnet, so dass wir unverrichteter Dinge abziehen. Alle ein bis zwei Stunden ist Handpumpen angesagt, was zwar ein schöner körperlicher Ausgleich zum Biken ist, aber irgendwie doch nicht richtig freut. Zurück über Neuve Eglise begegnen wir einer Rasselbande von Kindern an der Dorfstraße, die die Autos und auch uns freudig mit riesigen Wasserpistolen nass spritzen. Ortsausgangs ist ein Brunnen, wo wir unsere Wasserflaschen auffüllen und zum Gegen-angriff starten. Die Überraschung glückt und der Spass ist auf beiden Seiten groß. Kurz hinter dem Ort entdecken wir, dass wir total falsch sind, also wieder zurück und wieder ein Angriff der Wasserrasselbande, den wir mit unseren Trinkflaschen zurückzuschlagen.

Weiter geht es zum Chateau de Frankenbourg, in Wirklichkeit eine beschauliche Ruine mit schönem Burgfried, in deren Innenhof wir wieder Blindschleichen in den Mauerritzen und eine schöne Zauneidechse bei ihrem Sonnenbad fotografieren. Von dort geht es weiter Richtung Hochkönigsburg, der wir einen kurzen Besuch abstatten. Diese eindrucksvolle Burg hat unser letzter Kaiser, Friedrich-Wilhelm der Zweite aus den Resten einer mittelalterlichen Burg wieder aufgebaut. Der Mann hatte halt einen Splin, aber dieser entschädigt durch den Ausflugstourismus das arme Elsaß noch heute für die 48 Jahre Deutsches Kaiserreich. Jetzt steigen wir zum Taennchel hoch, einem immerhin 1000 Meter hohen Berg hinter Ribeauvillé. Den Berg hinauf quälen wir uns mit ca. 12 kg Gepäck manchmal nur schiebend, so verblockt und steil sind die Trails. An Biken ist meist nicht zu denken. Oben auf dem Taennchel haben wir einen grandiosen Blick auf den vorgelagerten Berg mit der Hochkönigsburg und das Rheintal. Gegenüber ist der Schwarzwald gut zu erkennen. Bergab geht es über einen phantastischen Singletrail Richtung Ribeauvillé, der es an Engstellen und schwierigen Passagen nur so wimmeln lässt. Aber wir meistern die Schwierigkeiten sehr gut, bis auf meine Passage durch ein langezogenes dichtes Brombeerfeld. Irgendwann liege ich doch mitten drin, in den stacheligen Beeren und kann mich nur mit Mühe rauswinden. Meine Beine und Arme sehen dann auch entsprechend aus, aber etwas Verlust gibt es immer – gerade beim Mountainbiken. Übernachtung auf dem Zeltplatz von Ribeauvillé, wo einem die Störche Gute Nacht sagen.

Der Dienstag wiederum beginnt nasskalt und irgendwie gar nicht bikefreudig. Unser heutiger Trail führt uns über das Chateau Bilstein, einer netten Burgruine mitten im Vogesenwald, nach Aubure. Eigentlich wollen wir an diesem Tag weiter Richtung Saint Marie aux Mines und damit wieder mitten in die Hochvogesen. Aber Dennis Handy macht uns einen Strich durch die Rechnung. Bei Linda bewegt sich was und jetzt ist eine umfangreiche Beratung angesagt. Zwar möchte Linda -– die hochschwangere Frau von Dennis – nicht, das wir die Tour abbrechen, da es angeblich noch nicht ernst wird. Aber meine Erfahrung mit dem weiblichen Geschlecht sagt mir deutlich, das nicht die reinen Worte sondern die intuitiven Zwischentöne hier Gehör finden müssen. Und die sagen: „Dennis - komm zurück und steh mir bei“. Um die junge Ehe nicht zu gefährden, entschließen wir uns, die Tour abzubrechen und nach Colmar abwärts zu biken. Da es an diesem Tag schon spät ist, übernachten wir in einem wirklich gruseligen Hotel in der Stadt. Immerhin scheinen die Betten sauber – aber der Rest? Dafür gönnen wir uns einen Super-Abendessen in einem schicken Restaurant und gehen anschließend noch in eine angesagte Cocktailbar, wo wir uns gepflegt betrinken. Am nächsten Tag bringt uns der Zug wieder nach Saarbrücken. Übrigens ist der Sohn von Dennis dann doch erst dreieinhalb Wochen später zur Welt gekommen. Aber hätten wir anders entschieden - ............. wer weiss, was dann gekommen wäre.

Wir hoffen, unsere Bilder werden Euch ein wenig Lust auf diese einsamen und urwüchsigen Vogesen machen, wo ein Biker noch beinahe ungestört seine Kreise ziehen kann.

es grüßen,


Helmut Scheuer und Dennis Machwirth