Unser Trikotpartner F2P produziert seit vielen Jahren die Bekleidung unseres Profiteams, unserer Nachwuchsmannschaften und unserer Mountainbike Teams. Also haben wir die Gelegenheit genutzt und die Fabrik in Bangkok besucht. Und wurden ziemlich schnell überrascht.
Damien passt nicht ins Klischee
Der Chef von F2P heißt Damien und kommt ursprünglich aus Bordeaux in Frankreich.
Er liebt das Leben, den Radsport und Menschen. Ehrlich gesagt verkörpert er viel eher das, was man sich unter französischem Savoir-vivre vorstellt, als das Bild eines Fabrikbesitzers, der den ganzen Tag nur über Zahlen und Rendite nachdenkt.
Wenn er nicht in der Fabrik unterwegs ist, sitzt er auf dem Rad. Seine Trainingsrunden dreht er auf der Sky Lane, einem 23 Kilometer langen Radweg rund um den Flughafen von Bangkok, den der König von Thailand errichten ließ und der täglich von tausenden Radfahrern genutzt wird.
In Thailand war es lange üblich, sechs Tage pro Woche zu arbeiten. Als Damien seinen Mitarbeitern irgendwann vorschlug, auch den Samstag frei zu machen, glaubten viele zunächst, er wolle an ihrem Lohn sparen. Dass jemand freiwillig Arbeitszeit reduziert, weil ihm das Wohlergehen seiner Mitarbeiter wichtig ist, erschien ihnen zunächst wenig glaubwürdig.
Erst mit der Zeit verstanden sie, dass er es ernst meinte. Vor allem nachdem sie erlebt hatten, wie er sich persönlich für Flüchtlingsfamilien aus Myanmar einsetzte, ihnen half Arbeit zu finden und in Thailand Fuß zu fassen. Was uns ebenfalls beeindruckte: Damien kannte nicht nur die Namen seiner Mitarbeiter. Er konnte uns die Familiengeschichten praktisch jedes einzelnen Mitarbeiters erzählen.
Mitten im Geschehen
Was uns sofort auffiel: Damien sitzt nicht in einem großen Büro. Sein Schreibtisch steht mitten in der Fabrik, zwischen den Menschen, die dort arbeiten. Und genau so fühlte sich auch unser Besuch an.
Die Näherinnen erklärten uns ihre Arbeit. Wir konnten die verschiedenen Stoffe anfassen, uns Schnitte erklären lassen und das Lager besichtigen. Vom Grafikteam bis zur Produktion begegneten wir Menschen, die sichtbar stolz auf das waren, was sie tun.
Nichts wirkte anonym
Am Ende blieb uns vor allem ein gemeinsames Gruppenfoto in Erinnerung. Vielleicht weil man darauf etwas sieht, das man nicht planen kann: Menschen, die gerne zusammenarbeiten.
Die Wahrheit über Trikots
Natürlich wollten wir auch verstehen, wie unsere Bekleidung entsteht. Gemeinsam mit F2P entwickeln wir seit Jahren die Schnitte selbst, suchen uns die Materialien für unser Profiteam aus. So entstand beispielsweise auch unser eigenes Gabba für Regenrennen, abgestimmt auf die Anforderungen unserer Fahrer.
Spannend war für uns aber auch eine andere Erkenntnis. Selbst ein Hersteller in Thailand bezieht viele hochwertige Rohstoffe aus Europa. Sitzpolster, technische Stoffe und andere Komponenten kommen gerade im Premiumbereich häufig aus Italien.
Das relativiert manches Marketing. Wenn Marken behaupten, völlig neue Maßstäbe zu setzen, greifen oft viele Hersteller auf dieselben Stoffe und dieselben Zulieferer zurück. Der Unterschied entsteht dann durch Erfahrung, Verarbeitung, Passform und die Menschen, die daraus am Ende ein Produkt machen.
Perspektiven verschieben
F2P produziert seit vielen Jahren die Bekleidung unseres Profiteams. Wenn Kristiāns Belohvoščiks lettischer Meister wird und innerhalb kürzester Zeit ein neuer Zeitfahreinteiler benötigt wird, dann ist F2P da. Wenn wir neue Ideen haben, werden sie gemeinsam entwickelt. Wenn etwas verbessert werden soll, wird darüber diskutiert.
Unser Besuch in Bangkok war deshalb weit mehr als ein Termin bei einem Ausrüster. So wie unsere Reisen zu Rennen in Benin, Eritrea oder der Türkei helfen, unsere Perspektiven zu erweitern, hat auch dieser Besuch eines gezeigt:
Man sollte sich sein eigenes Bild machen. Denn die Realität ist oft deutlich spannender als die Klischees.